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Die 20er Jahre des 3. Jahrtausends

Die 20er Jahre des 3. Jahrtausends

Was dürfen wir erwarten, was kommt auf uns zu?

Die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts stehen für eine Epoche, die in besonderer Weise die Kultur und Gesellschaft in Deutschland geprägt haben. Niemand ahnte, dass die „Golden Zwanziger“ mit einem Zusammenbruch der Weltwirtschaft enden und mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus die größte Katastrophe der Weltgeschichte einleiten würden.

Hundert Jahre später stehen wir wieder an der Schwelle der 20er Jahre. Die Welt hat sich verändert, ist schneller geworden, digitaler und global vernetzt. Viele Menschen schauen sorgenvoll in die Zukunft. Die Vorstellung einer düsteren Apokalypse hat sich in das Bewusstsein vieler Menschen eingraviert. Die endzeitliche Prophetie boomt. Was kommt in den kommenden zehn Jahren auf uns zu? Ist es überhaupt legitim, diese Frage zu stellen?

Juden und Christen glauben an einen Gott, der vor unseren Augen Geschichte schreibt. Nach fast zweitausend Jahren der Zerstreuung und Verfolgung kehrte das Volk Israel zurück und gründete am 14. Mai 1948 den Staat Israel. Zehn Jahre zuvor im Jahr 1938 sah die Welt völlig anders aus. Adolf Hitler war auf der Höhe seiner Macht. Am 9. November 1938 begann mit der Reichspogromnacht der staatlich organisierte Massenmord an 6 Millionen Juden. In den folgenden Jahren wurden mehr als 65 Millionen Menschen im Zweiten Weltkrieg getötet. Es ist beinahe unvorstellbar, wie grundlegend sich die Welt innerhalb von zehn Jahren verändert hatte. Im Jahre 1948 lag Nazi-Deutschland in Trümmern, während im gleichen Jahr mit der Gründung Israels eines der größten Wunder der Geschichte geschah. Zeiträume sind der Bibel wichtig, ob es die sieben Tage der Schöpfungswoche, die 400 Jahre Israels in Ägypten oder die genaue zeitliche Abfolge der jüdischen Feste sind. Wir dürfen uns zu Beginn des neuen Jahrzehnts zu Recht fragen, wie wir uns am besten auf das neue Jahrzehnt vorbereiten.

Erfüllte Prophetien

In den 80er Jahren gab es eine prägende charismatische Vaterfigur, deren Botschaft bis heute nachwirkt. Sein Name war John Wimber. Wimber war Theologe, Buchautor und gründete die Vinyard Bewegung, aus der weltweit Gemeinden hervorgegangen sind. Wimber wurde 1987 von der Geistlichen Gemeindeerneuerung der Evangelischen Kirche zum ersten Mal nach Deutschland eingeladen, um Mitarbeiterkonferenzen zum Thema „Evangelisation in der Kraft des Heiligen Geistes“ durchzuführen. Sein Aufsatz „Facing the 90ies“1 war eine gesellschaftliche Analyse der damaligen Zeit, die er mit prophetischen Vorhersagen über das vor uns liegende Jahrzehnt verknüpfte. 30 Jahre später kann man in der Rückschau sagen: Seine Einschätzungen waren exakt und sind zum größten Teil eingetroffen.

Wimber sah in den 90er Jahren vier Gefährdungen und Herausforderungen, die auf Christen zukommen würden: 1. Der Individualismus und Relativismus würde die christlichen Werte der westlichen Kultur vollständig ersetzen und „Mach was du willst“- Christen hervorbringen, deren Lebensstil und Werte sich durch nichts von der übrigen Gesellschaft unterscheiden würden. 2. Die Diskriminierung evangelikaler Gemeinden, deren Grundrechte der Rede und Versammlungsfreiheit immer mehr beschnitten oder ganz verloren gehen würden. 3. Die schnelle Ausbreitung einer neuen Spiritualität, in der moralische Werte keine Rolle mehr spielen und die pluralistische Vermischung von Religionen zum Maßstab über den Absolutheitsanspruch des christlichen Glaubens erhoben würde. 4. Die Psychologie würde Spaltung in die Gemeinde bringen, indem die Selbstverwirklichung und die „Suche nach dem Ich“ in Form von christlicher Selbstbezogenheit zu einem weltweiten Trend bei Christen werden würden. Wimbers Analyse war gleichzeitig herausfordernd und von prophetischer Schärfe: Individualismus, so Wimber, gedeihe in einer Atmosphäre, die jede Form von Autorität hinterfragt und leugnet. Es gebe aber für uns Christen keine andere Grundlage als die Autorität Jesu und die der Bibel!

Was sind die geistlichen Herausforderungen für das Jahr 2020?

Jedes Jahrzehnt kann mit spezifischen Stichworten beschrieben werden. Die Ereignisse der Jahre des vergangenen Jahrzehnts könnten durch folgende Begriffe zusammengefasst werden: Einwanderung, Rechtspopulismus, Verrohung der Sprache, Homophobie, Fundamentalismus, Brexit, bunte Gesellschaft, Globale Erwärmung, Öko-Katastrophe. Diese Aufzählung kann sicher noch ergänzt werden. Jeder Begriff steht für politische oder gesellschaftliche Entwicklungen, die uns in unterschiedlicher Weise beschäftigt und beeinflusst haben.

Der streitbare Journalist Henryk M. Broder schrieb in einem Artikel der WELT 2, dass in unserer Gesellschaft eine neue Art von „Volksgemeinschaft“ entstanden sei, die – wie wir es aus der nationalsozialistischen Geschichte Deutschlands kennen – nicht inklusiv, sondern immer exklusiv sei, was meint, dass Menschen wieder (!) als nicht zugehörig ausgegrenzt werden. Diese neue Volksgemeinschaft werde heute als „offene“ Gesellschaft bezeichnet. Broder schreibt: „Der Kampf gegen die Nazis und für eine offene Gesellschaft nimmt bizarre und mitunter totalitäre Formen an.“ Man wolle nicht mehr reden, drohe und beschimpfe, boykottiere Vorlesungen und Sprecher anderer politischer Gesinnung. Der gruppenbezogene Generalverdacht rechtfertige „Maßnahmen, die man früher als sippenhaft bezeichnet hat.3“ Er zweifle, so Broder, ob die Deutschen wirklich etwas aus der Geschichte gelernt hätten.

Jesus beschreibt vor beinahe 2000 Jahren im sogenannten 24. Endzeitkapitel des Evangelisten Matthäus eine Zeit der Orientierungslosigkeit, in der sich viele Christen von der Botschaft des Evangeliums abwenden. Die „Liebe wird in vielen erkalten“, schreibt Matthäus, und die „Ungerechtigkeit wird überhand nehmen“, womit er eine Zeit meint, in der ein Christsein „light“ ohne Buße, ohne Umkehr und Lebensveränderung zu einer Modeerscheinung geworden ist. Es gibt eine Zeit, sagt Jesus, in der Lüge, Manipulation und Unversöhnlichkeit von christlichen Verführern als Gottes Weg bezeichnet werden. Diese Zeit wird von einer zunehmenden Verrohung der Sprache begleitet, in der Anklage, Beleidigungen und die Herabsetzung von Menschen zum Alltag geworden sind (Mt 24, 9-12). Hatte Jesus direkt in unsere Gegenwart hineingesprochen?

Eine geistliche Explosion

Manchmal vergleiche ich die prophetischen Worte von anerkannten Männern und Frauen Gottes und stelle erstaunt fest, wie sehr sie sich gleichen. An dieser Stelle will ich nur zwei nennen. Rick Joyner weist darauf hin, dass in Zukunft die Zeit der Erschütterungen weltweit zunehmen wird. Er warnt vor einer Dunkelheit, die sich zunehmend über Menschen ausbreiten und das Licht umso heller scheinen lassen wird. Deswegen werden wir, so Joyner, auf das Zeitalter einer endzeitlichen Ernte zugehen, die es so noch nie gegeben hat und auch nie wieder geben wird. Wer ihn sucht und in ihm bleibt, sollte sich auf eine geistliche Explosion im Jahr 2020 vorbereiten.4

James Golls prophetische Sicht ist ähnlich.5 Er sieht ebenso eine endzeitliche Ernte mit noch nie dagewesenen Dimensionen auf das Reich Gottes zukommen. Christen werden an der Gegenwart Gottes erkennbar sein. Deswegen erwartet er eine neue Ausgießung – Goll nennt es eine Invasion – des Heiligen Geistes. Er warnt ebenso vor einer zunehmenden Dunkelheit, in der Gottes Licht aber umso heller scheinen wird. Diese nicht unbedingt auferbauende Analyse bringt uns zu der wichtigen Frage, wie wir denn in kommender Zeit in seinem Licht leben können?

Licht durchbricht die Finsternis

Kennen Sie die Operation Exodus 1947? Sie wurde von Leon Uris in einem Roman beschrieben und beruht auf historischen Ereignissen. Wir hatten das Vorrecht, Überlebende der Exodus und ihre Nachfahren kennenzulernen. Alte Filme zeigen, wie das Schiff mit 4500 Menschen an Bord versucht, die britische Blockade zu durchbrechen, um die Holocaustüberlebenden der Exodus nach „Eretz Israel“ zu bringen. Die Briten wollten mit allen Mittel die nach ihrer Sicht illegale Einwanderung verhindern. Sie rammten das Schiff mit zwei Kreuzern und enterten es mit Gewalt. Aber die Holocaustüberlebenden wehrten sich. Sie nahmen Kartoffeln, Tomaten, einfach alles, was greifbar war, und warfen es auf die britischen Soldaten. Trotzdem konnten sie nicht verhindern, dass sie an Land und nach einiger Zeit wieder zurück nach Deutschland gebracht wurden. An Bord war die Enttäuschung grenzenlos. Für die Passagiere war das Schiff der Ort ihrer größten Niederlage. Auf alten Bildern sieht man, wie auf dem zerstörten Schiff zwei Fahnen mit einem Davidsstern gehisst worden sind. Es ist für mich ein Bild des Triumphes in der größten Niederlage. Denn ohne die Geschichte der Exodus wäre der Staat Israel sehr wahrscheinlich nicht so bald gegründet worden. Ihr hartnäckiger Widerstand hatte dazu beigetragen, die internationale Meinung gegen ein fortwährendes britisches UNO-Mandat über Palästina zu wenden und damit die Gründung des Staates Israel voranzutreiben. Neun Monate später kehrten die Passagiere zurück nach „Eretz Israel“! Ich entdeckte hier eine wichtige Wegweisung für die vor uns liegende Zeit. Sie erscheint recht unbedeutend, ist für uns aber existenziell wichtig. Sie lässt sich mit dem Satz zusammenfassen: Die größten Siege geschehen an den Orten der Niederlage!

Paulus lehrt uns, dass wir nur in dem Licht Gottes leben können, wenn wir dem Bild seines Sohnes gleich werden und bereit sind, das Wesen Jesu anzunehmen (Röm 8,29). Das Kreuz von Golgatha wurde für Jesus zum Ort seines größten Triumphes. Von tiefster Finsternis umhüllt, zerschlagen, voller Krankheit und Schmerz, triumphierte er über Sünde, Hölle, Tod und Teufel! Deswegen schreibt Paulus:

„Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist!“ (Phil 2, 8.9)

Christen „light“

Wir werden in Zukunft weiterhin Krisen und gewaltige Umbrüche in Deutschland, Europa und weltweit erleben. Christliche Werte werden weiter verändert und neu definiert. Kirchen und Gemeinden werden in ihrer Substanz erschüttert. Es wird durch die Christenheit ein Riss gehen, der unvergleichlich tiefer sein wird, als die Zeit der Reformation oder die Gründung einer neuen Denomination je waren. Viele Menschen werden ein Christsein „light“ leben wollen, das äußerst attraktiv erscheint, jedoch den Ruf zur lebensverändernden Buße und zur Umkehr von Sünde nicht mehr hören will. Die Botschaft vom Kreuz wird für Christen „töricht“ und nicht mehr zeitgemäß sein. Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes und ein geheiligtes Leben werden sektiererisch und fundamentalistisch genannt werden.

Wenn Niederlagen sich in Wunder verwandeln

Ich bin überzeugt, dass der Herr in die kommende Zeit hineinspricht: „In deinen Enttäuschungen und Niederlagen, Kämpfen und Krisen verbirgt sich meine Gegenwart! Ich öffne in der Wüste Wasserquellen und verwandle die Orte der größten Niederlagen zu Stätten des größten Sieges!“ Wir stehen im Jahr 2020 an der Schwelle eines Jahrzehnts, in dem wir eine besondere Ausgießung und das Wirken des Heiligen Geistes erwarten dürfen.

Enter the Holy Spirit Decade: „Komm mit in das Jahrzehnt des Heiligen Geistes“

Vor beinahe einem Jahr fragte der Herr mich, ob wir bereit seien, über Ostern 2020 – das im kommenden Jahr übrigens mit dem jüdischen Passahfest zusammen liegt – in Tübingen eine „Awakening Fire“ Konferenz durchzuführen. Ich hörte immer wieder: „Enter the Holy Spirit Decade“ „Betretet das Jahrzehnt des Heiligen Geistes!“ Zu meiner Überraschung sagten Daniel Kolenda, Heidi Baker und David Hogan sehr schnell zu, als Sprecher dabei zu sein. Ich bin davon überzeugt, dass der Herr uns vorbereitet, als vollmächtige Zeugen voller Glauben in das neue Jahrzehnt zu gehen.

Was also kommt in den kommenden zehn Jahren auf uns zu? Ich habe die entscheidenden Punkte hier zusammengefasst. Wir lesen sie auch als kurze Statements in den Einladungen zur „Awakening Fire Konferenz“. Ich würde mich sehr freuen, Sie dort zu treffen!

Das Jahr 2020 wird …

  • ein Jahrzehnt des Kreuzes und der Kraft der Auferstehung Jesu

Gottes Antwort auf ein weichgespültes Evangelium ist eine Generation, die die Kraft des Kreuzes kennt und den auferstandenen Jesus als Herrn und Erlöser furchtlos verkündigt.

  • ein Jahrzehnt des Heiligen Geistes

Gott bereitet eine neue Generation in einzigartiger Weise vor, voller Barmherzigkeit und Glauben mit der Salbung des Heiligen Geistes das Erweckungsfeuer in ihre Städte und in die Nationen zu tragen.

  •  ein Jahrzehnt der Wiederherstellung

Gott stellt wieder her, was wie ein kostbarer Schatz verlorengegangen ist. Das jüdische Erbe des christlichen Glaubens ist keine Frage der Kultur, sondern Gottes Antwort für ein vollmächtiges Leben.

  • ein Jahrzehnt einer beispiellosen Ernte

In einer Zeit immer größer werdender Säkularisierung und Orientierungslosigkeit wird eine neue Generation vom Feuer Gottes angezündet und einen Flächenbrand der Erweckung entfachen.

 

Jobst Bittner

 

Quellen: 

  1. John Wimber in: Facing the ´90ies in:  Equipping the Saints, Volumne 3, Number 3/ Summer 1989, S. 4ff
  2. Henryk M. Broder:  Die Deutschen, eine Mischung aus Größenwahn und Impotenz, Die Welt vom 30.12.2018
  3. Ebd.
  4. Rick Joyner ist der Gründer und Präsident der MorningStar Ministries und Senior Pastor der MorningStar Fellowship Church. Hier: „Prepare for a Spiritual Atomic-Like Explosion in 2020“, in: CharismaNews 19/2019.
  5. James W. Goll: "Five Prophetic Points for 2019 and Beyond" in: The Elijah List Nov 9, 2018.